Technikwürze Folge 13: Björn Seibert im Interview
Björn Seibert ist ein erfahrener Webentwickler, Buchautor und unterhält diverse Webprojekte rund um das Thema Webdesign. Im Technikwürze-Podcast Nummer 13 stellt er sich den Interviewfragen. Neben dem Podcast als MP3 gibt es das Interview hier zum Nachlesen.
Hallo Björn, schön dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast. Stell dich unseren Hörern bitte doch einmal kurz vor.
Hallo David, vielen Dank für die Einladung zum Technikwürze-Podcast. Mein Name ist Björn Seibert. Einige werden mich über mein Blog bs-markup.de kennen, wo ich mich mit den Themen Webstandards, CSS und Barrierefreiheit beschäftige. Derzeit erstelle ich meine Diplomarbeit bei der ICW AG. Das Thema ist die Evaluierung, Konzeption und Umsetzung von Web-Content Management System mit dem Fokus auf die barrierefreie Umsetzung.
Du bist offensichtlich Webdesigner aus Leidenschaft. Warum befasst du dich mit dem Internet in dieser Form? Wie kam es dazu?
Ich bin erst relativ spät zum Webdesign gekommen. Das begann im Jahr 2002, als ich mit HTML experimentiert hatte, eigene kleine Websites aufzubauen. Die waren aber nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Der eigentliche Auslöser war dann im Oktober 2003, als die Basketballabteilung des 1. FC Kaiserslautern auf mich zu kam und fragte, ob ich für die die neue Webseite machen und darüber hinaus auch weiter betreuen könne. Anfang 2004 habe ich das Buch von Jeffrey Zeldman Designing with webstandards gelesen und “Blut geleckt”. Seit dem habe ich mich sehr intensiv mit den Themen Webstandards und der Umsetzung von barrierefreien Websites beschäftigt, und habe fast täglich dazu gelernt.
Warum setzt du auf Webstandards?
Webstandards ist ein relativ strapazierter Begriff. Man sollte vielleicht anders herangehen. Wenn man sich an die Spezifikationen des W3C hält, und darauf achtet, dass man den Quelltext sauber strukturiert, wird sich mit der Zeit eine Arbeitsweise einstellen, die sehr viel effizienter ist. Im Ergebnis wird man auch bessere Websites produzieren können, das liegt an einem selbst. Ich für mich persönlich kann sagen, dass ich davon stark profitiert habe, und bin dankbar, dass ich den Weg so gegangen bin. Mittlerweile lässt es sich so angenehmer arbeiten, und viele Dinge gehen dir dann auch einfacher von der Hand.
Mit den Webkrauts haben sich einige Webentwickler des deutschsprachigen Raumes zusammengetan, um Entscheider und Entwickler gleichermaßen über Webstandards aufzuklären und um diese zu fördern. Du bist genauso wie ich Förderungsmitglied. Was erwartest du mittel- und langfristig von dieser Initiative?
Ich erhoffe mir davon ganz konkret, dass die standardkonforme und barrierefreie Webentwicklung stark an Fahrt gewinnt. Nicht als Bewegung oder Religion, die man teilweise meiden möchte, sondern ganz konkret bei der täglichen Arbeit, bei der Konzeptionierung und Erstellung von Websites.
Darüber hinaus bin ich stark am Erfahrungsaustausch unter den Webdesignern interessiert, den man am Besten durch so eine Plattform erreicht. Viel mehr, als der einzelne in seinem Blog oder auf seiner Website.
Barrierefreie Webseiten sind thematisch viel tiefer als “nur valide” Webseiten. In den umfangreichen Essays auf www.macx.de ist Einsteigern und Profis Schritt für Schritt erklärt, was Barrierefreiheit ist und welche gesetzliche Regeln man berücksichtigen sollte. In wie weit hältst du die Barrierefreiheit in Hinsicht auf die Benutzbarkeit von Webseiten bei den Nutzern für wichtig?
Websites barrierefrei umzusetzten sollte jedem Webdesigner ein Anliegen sein. Es geht dabei nicht nur um die Untersützung Sehbehinderter und blinder Besucher von Websites. Denken wir doch einfach auch mal an die technologischen Barrieren. Nicht jeder kann DSL nutzen, weil die diversen Leitungen in manchen Stadtteilen nicht gelegt sind. Und da spielen dann eben effizienter Code, kleinere Bilddateien oder das Weglassen von unnötigen Bildern eine große Rolle, wenn es um die Transferraten und Wartezeiten geht.
Dann ist da noch die vielfältige Gerätelandschaft, die kleinen mobilen Geräte, auf denen Websites dargestellt werden sollen. Es ist auf jeden Fall mehr, als nur eine Webseite “behindertengerecht” umzusetzen. Und ganz entscheidend ist eben: Ein Webdesigner macht eine Webseite nicht nur für sich selbst, sondern in erster Linie für seine Besucher.
Sehr behilflich kann es natürlich auch sein, sich in die Besucher hinein zu versetzen,.Oder sei es in der Familie oder im Freundeskreis ganz einfach mal einfache Benutzer zu befragen. Eines steht fest: Design und Benutzbarkeit sind gleich zu gewichten. Ausnahmen mögen da Fotoblogs bilden, oder Websites von Grafikdesignern, die großformatige Grafiken als Referenzen darstellen wollen. Da muss man auch aus der Praxis heraus Abstriche machen.
Arbeitest du mit behinderten Menschen zusammen, um deine Webseiten und Projekte noch benutzbarer zu machen?
Persönliche Erfahrungen mit Betroffenen konnte ich in der Praxis leider noch keine machen. Aber im Rahmen der Diplomarbeit wird sich wohl die eine oder andere Möglichkeit ergeben. Und ich freue mich darauf, weitere interessante Kontakte knüpfen zu können. In Heidelberg gibt es die Initiative Web for all, die möchte ich mal besuchen.
Bist du sehr akribisch und konsequent bei der Umsetzung von validen Webseiten? Achtest du penibelst darauf, jede Miniwarnung eines Validators zu eliminieren?
Ich bin schon einigermaßen akribisch, aber normalerweise kann man ohne größeren Aufwand alle Fehler eliminieren. Natürlich ist dies am Anfang relativ schwierig, aber mit der Zeit gewinnt man immer mehr Routine im Umgang mit dem Quellcode. Und wenn es dann einmal rund läuft, ist man froh, dass man die kleineren und mittleren Hürden am Anfang genommen hat. Aber egal wie sehr man sich an Richtlinien hält, so zum Beispiel auch die BITV, die gewisse Regeln für barrierefreie Inhalte aufstellt, es kann nicht schaden, den einen oder anderen Checkpunkt zu hinterfragen, und auf seine praktische Relevanz hin überprüfen.
Programmierst du auch in php und setzt Datenbanken auf?
php beherrsche ich für den Hausgebrauch. Ich kann keine umfangreichen Webanwendungen selbst programmieren, aber es reicht, um an der einen oder anderen Stelle dynamische Inhalte unterzubringen und auch mal die Datenbanken abzufragen.
Gibt es andere (Programmier-)Sprachen, denen du dich in Zukunft widmen möchtest, zum Beispiel Ruby?
Auf jeden Fall. Derzeit beginne ich mich damit mit AJAX zu beschäftigen. Ich werde demnächst auch ein Buch zum Thema lesen, und mich so der Materie nähern. Denn ich bin davon überzeugt, dass in Zukunft kein Website mehr ohne interaktive Elemente auskommt. Websites bekommen in Zukunft immer mehr Anwendungscharakter, und da sollte man schon dran bleiben, zumindest um zu verstehen, von was ein Programmierer spricht, mit dem man in der Praxis zusammenarbeitet. Und um ihm in Endeffekt mitteilen zu können, was man denn an der einen oder anderen Stelle für Code braucht, oder wie sich ein bestimmtes Element auf einer Website verhalten soll.
Mit welchen Programmen arbeitest du, um eine Webseite “from-the-scratch” zu entwickeln?
Ich selbst setzte auf bestimmte Texteditoren, wobei man keine Empfehlung abgeben kann. Das Programm sollte einem auf jeden Fall dabei unterstützen, sauberen Quellcode zu schreiben, zum Beispiel durch Funktionen wie Syntax-Highlighting, so dass man die Übersicht behält, Umlaute umwandeln, oder die gängigen Tags automatisch zu schließen.
Mit Manuela Hoffmann, einer Webdesignerin aus Berlin, hast du 2005 das Buch Professionelles Webdesign mit (X)HTML und CSS heraus gebracht. Dort sind sehr viele Tipps und Beispiele aus deiner Erfahrung aufgeführt. Wie kommt das
Buch bei den Lesern an?
Wir waren und sind immer noch sehr überrascht, wie sehr das Buch eingeschlagen hat. Wir waren zum Beispiel wochenlang die Nummer Eins im Bereich Webdesign auf Amazon, sind weiterhin Bestseller des Verlages. Es gab sehr viel Trubel und viele persönliche Anfragen per Mail, die entweder über die Website zum Buch kommen oder eben direkt an uns gewendet sind. Ich bitte unsere Leser einfach auch um ein bisschen Geduld, denn die Anzahl der Anfragen und die eigenen Projekte lassen ausführliche Antworten nicht immer zu. Aber ich denke, wir machen das schon ganz gut und sammeln natürlich auch tagtäglich Erfahrung.
Wir sind auf jeden Fall motiviert weiterzumachen. Und so wird es auch 2007 an die konkrete Planung der zweiten Auflage gehen, wo es dann darum geht, auf Anregung von einigen Lesern, Verbesserungen vorzunehmen, gewisse Teile zu kürzen, hier und da eine Erweiterung zu schreiben, und auch den technologischen Wandel zu berücksichtigen, damit zukünftige Leser auch immer ein aktuelles Buch in den Händen halten.
Neben deiner Webseite bs-markup.de fütterst du wissensbegierige Webentwickler auch auf dem neuem Portal WebdevBits mit Hintergrundwissen. Was ist WebdevBits?
Die Webdevbits sehe ich noch nicht als Portal, der Weg kann dahin gehen. Im Moment ist es so, dass wir drei (Björn Seibert, Jörg Petermann und Manuela Hoffmann) dort Inhalte unterbringen, die wir in unseren eigenen Blogs nicht unterbringen, die uns aber auch interessieren. Aber auch von denen wir denken, dass die ambitionierte oder auch professionelle Webdesigner dabei unterstützen, sich weiter über die Themen zu informieren, und dabei auch versuchen, die ganze Information zu bündeln und zu kanalisieren.
Du engagierst dich in Sachen Webdesign auch stark in deinen eigenen Blog und bei CSS Hilfe. Soll WebdevBits die verschiedenen Schwerpunkte bündeln oder eigene Wege gehen?
Es ist vor allen auch so, vor allem im Bereich Webstandards: Wir können viel mehr, als man derzeit von uns liest, und wir möchten auch die Leute ein bisschen animieren, sich mehr zuzutrauen. Ich bin mir ganz sicher, es gibt noch viele interessante Inhalte dort draußen. Vielleicht hat sich der eine oder andere nur noch nicht getraut einen Artikel daraus zu machen. Schön wäre es, wenn es mehr werden würden.
Und Roger Johanssons neue Artikelserie, in der es um die Grundlagen der barrierefreien Webentwicklung geht, und wo man am besten beginnt, war auch ein Ansatz dazu, eine Übersetzung des englischen Originaltextes anzuregen. Habe ich das in der Vergangenheit selbst getan, komme ich im Moment leider nicht dazu. Mit Nadja Müller hat sich ja eine Leserin, die gerade dabei ist, diese Serie zu übersetzen. Und wie ich finde, macht Sie das auch sehr gut.
Wie bringst du die verschiedenen Medienkanäle zeitlich unter?
Die Zeit ist im Moment sehr knapp bemessen, da ich bei meinen privaten Projekten den Schwerpunkt auf die Webdevbits lege, um das Projekt auch in Fahrt zu bringen. Auf meiner Webseite bs-markup.de geht es natürlich auch weiter, auch wenn die Schlagzeit gesunken ist, wie man es dem Archiv entnehmen kann. Aber es wird auch weiterhin ausführliche Artikel zu den Themen geben.
Meine erste Priorität in den nächsten sechs Monaten wird klar die Diplomarbeit sein, aber auch die Weiterentwicklung der Webdevbits, der Erfahrungsaustausch mit anderen Webdesignern und auch im Sommer ein Redesign meiner eigenen Website, wo sich über die Zeit sehr viele Inhalte angesammelt haben. Da geht es darum, diese eben besser zu strukturieren und auch mal die Archive anzugehen.
Technikwürze ist ein neuer Medienkanel, der die Vorteile von Webstandards auch auditiv transportiert und persönlich auf die Menschen zugeht. Was erwartest oder erhoffst du dir speziell von diesem Podcast?
Ich bin von Anfang an ein begeisterter Hörer von der Technikwürze und ich muss sagen, dass ist eine gute Mischung von Themen – kurzweilig rübergebracht. Und vor allem wird das „warum“ betont, Es geht nicht zu sehr um die technischen Details , als vielmehr Mittel und Wege aufzuzeigen, wie man im Ergebnis um qualitativ hochwertigen Websites gelangen kann. Und das kann auch sehr kurzweilig unterhalten.
Was möchtest du unseren Hörern mit auf den Weg geben?
Alle, die sich für Webstandards und barrierefreie Websites einsetzen, sollten weiter mit Ehrgeiz ihre Ziele verfolgen und nicht aufgeben. Kompromisse wird man immer machen müssen, aber trotzdem: Der Aufwand lohnt sich. Vor allem darf man den Spaß an der Sache nicht vergessen. Speziell bei uns kann man noch ein bisschen selbstbewusster auftreten. Denn ich bin mir ganz sicher, dass auch unsere Webdesigner in „.de“ selbst in der Lage sind, Maßstäbe zu setzen. Und da müssen wir nicht immer international hinterher hecheln und nachbeten. Wir können auch eigene Inhalte produzieren.
Vielen Dank Björn für dieses interessante Interview.
Danke für die Einladung, an deinem Podcast teilnehmen zu können, und dafür, dass ich auch das intensive und neue Medium Podcast kennenlernen durfte. Ich wünsche dem Podcast auf jeden Fall für die Zukunft alles Gute und freue mich schon auf die nächsten Ausgaben.
1 Malte Christensen schrieb am 23. März 2006 (17:03 Uhr)
2 macx schrieb am 23. März 2006 (17:03 Uhr)
3 Björn schrieb am 23. März 2006 (19:03 Uhr)
4 Rajko Gora schrieb am 24. März 2006 (11:03 Uhr)
5 macx schrieb am 24. März 2006 (11:03 Uhr)