Nur noch fünf Kilometer!
Wenn man nach einer sehr langen Reise im Bus hört, dass wir nur noch fünf Kilometer bis zum Ziel haben, ist das irgendwie ein erlösendes Gefühl. Blöd nur, wenn man diesen Satz ein paar Mal hört, nachdem man die Kilometer zurückgelegt hat.
Im Posting Auf dem Weg nach Italien hatte ich bereits auf die Schwierigkeiten bei der Anreise nach Italien hingewiesen. In Italien angekommen gingen die eigentlichen Anreiseprobleme aber erst los. Unser glorreicher Villa-Vermieter hatte uns zunächst die falsche Adresse mitgeteilt, was dazu geführt hat, dass wir statt auf der Autobahn recht früh auf die Landstraße ausweichen wollten. Doch welche Abfahrt nehmen wir? In welche Richtung fahren? Egal, wir nehmen jede Autobahnabfahrt und – Auffahrt in der Nähe. Irgendwann finden wir unser Ziel. Dachten wir. Denn unsere erste Zwischenstation war Florenz.
Wenn du dein Auto liebst, lass es stehen
Wie die Italiener in ihren Großstädten Auto und Roller fahren, habe ich in Florenz gesehen. Nein, ich habe es erlebt. Die Straßen der schönen Stadt waren überfüllt, der Verkehr schon längst zusammengebrochen. Hier führen zweispurige Straßen mehrfach auf eine Hauptstraße oder einen Kreisel. Das schöne in Florenz: Straßenmarkierungen gibt es hier nicht. Wozu auch? Denn ohne diese doofen Dinger kann man nämlich noch eine Spur aufmachen. Ist eh viel besser. Weil den Italienern auch das nicht reicht, führen sie zwischen zwei Zweispurigen Fahrbahnen noch eine zweispurige Fahrbahn mit dem Gegenverkehr. Und diese sechs Spuren treffen sich dann im Kreisel. Ja, das macht Bock.
Diese meisterliche Planung führt dann dazu, dass die Autofahrer hier fahren wie Sau. Es gibt nur ein Ziel, und das ist eine gute Position in der Blechlawine: Weit vorne, vor allen anderen. Hier herrscht Krieg, es geht hier nicht um Zentimeter, sondern um Millimeter. Und die Großstädter interessieren sich hier nicht um zu schützende Autolacke. Hier zählt eizig und alleine das persönliche Interesse.
Weil auch die Florenzer noch schneller vorankommen wollen, als sie können, steigen sie massenhaft auf Roller um. Die sind wendiger und schneller. Eine Lücke findet sich immer. Doch: Auch das geht noch besser: Alle Rollerfahrer fahren in eine Lücke, die sich – so die Planung – erst ergibt, sobald der Rollerfahrer das Zwischenziel erreicht hat. Hier werden Spuren wild gewechselt, Autos ausgebremst, Rückspiegel angeknickt. Hier wird geklotzt. Heftig, wirklich heftig. Wer sich die am Straßenrand wild parkenden Fahrzeuge anschaut, sieht viele Kratzer, noch mehr aber Beulen. Heftige Beulen.
Du bist da, wenn du da bist
Nach Flozenz haben wir uns den toskanischen Serpentinen gewidmet. Mit unserem lahmen 0815-Bus (Mercedes-Benz, Typenbezeichnung „O 815“) mühten wir uns die Berge rauf, und rollten wieder runter. Wie ich bereits anfangs erwähnte, gab uns unserer Villa-Vermieter eine falsche Adresse. Wir fuhren schlicht auf den falschen Berg, mussten mit dem Bus auf den engen Bergstraßen wenden und eine andere Route suchen. Das haben wir ein paar Mal gemacht, sind viele Kilometer gefahren und hatten immer gesagt, dass wir nur noch fünf Kilometer zum Ziel haben, oder sechs oder zwanzig. Völlig egal. Nach einer langen Reise waren wir alle ziemlich Ende und wollten einfach nur das Ziel erreichen.
Wir haben uns hier in den Dörfern auch zum Gespött der Einwohner gemacht, denn durch einige Dörfer sind wir mehrmals durchgefahren. Hin und zurück, und nochmals durch. Die ganze Gegend haben wir abgefahren und nichts gefunden. Wir waren müde.
Schauen wir noch einmal zurück. Das Team ist in Köln um 18 Uhr losgefahren Richtung München. Ich bin um 18.26 in Hannover in den ICE gestiegen, um in München dann mit zwei Kollegen zuzusteigen. Kurz nach 23 Uhr kam mein ICE an, ich hatte genug Puffer, bis zur geplanten Ankunftszeit von 0 Uhr. Der Bus kam erst um 2 Uhr an. Dann gab es am Hauptbahnhof auch einen Fahrerwechsel. Um 17 Uhr kamen wir endlich am Ziel an. Rechnen wir die ganze Rumkurverei mit in der Toskana mit, war ich knapp 24 Stunden unterwegs und noch wesentlich länger wach, denn die Nacht im Bus konnte ich überhaupt nicht schlafen – nicht eine Sekunde.
Am Samstag in der Früh, eine Nacht voll Schlaf nach der Ankunft, sind wir einkaufen gefahren und mussten lachen, als die Italiener Ortsschilder an der Hauptstraße angebracht hatte. Danke, echt toll.