Billig oder Günstig? Bedeutung und Nutzung – eine Bestandsaufnahme

29. Juli 2010 Bisher 5 Kommentare

Wer sein Produkt und insbesondere auch dessen Verkaufspreis bewerben will, oder wer über Produkte und dessen Preise oder Tarife berichtet, kommt nicht drumherum, das Wort günstig oder billig zu gebrauchen. Doch offensichtlich interpretiere ich die Wörter anders als viele Blogger, Journalisten oder die Marketingabteilung des Supermarktes: Immer öfters ist die Rede von billig, auch wenn eigentlich eher der Preis, nicht aber die Qualität gemeint ist. Eine Bestandsaufnahme.

Was ist billig?

Das Wort billig benutze ich zur Beschreibung der Qualität eines Artikels. Ist ein Toaster billig, dann ist dieser nicht unbedingt kostengünstig, wohl aber schluderig/billig verarbeitet. Das Fleisch im Supermarkt sollte um himmelswillen nicht billig sein. Billig kommt dann immer zum Einsatz, wenn die Qualität eher schlecht als Recht ist. Ein Golf 3 zum Beispiel war zu seiner Zeit billig in der Verarbeitung und beim Materialmix, nicht aber günstig in der Anschaffung. Ein nagelneuer Audi A4 oder ein BMW 3er in Hausfrauenausstattung ist sicher nicht billig, aber unter umständen günstig.

All die Supermärkte und Warenhausketten nutzen das Wort billig sehr gern in der Werbung für Ihre Produkte: Jetzt billiger, wirklich billig, unglaublich billig. Billig heißt für mich, dass das beworbene Produkt minderwertig ist.

Was ist günstig?

Ein günstiges Produkt ist für mich in erster Linie nicht hochpreisig. Ist ein Produkt teuer oder eben preiswert (günstig), dann ist damit eher nicht die Wertung der Beschaffenheit oder die Qualität gemeint, sondern der Preis. Aufpassen: Wer mit günstig wirbt, wirbt seriös. Wer mit billig wirbt, könnte eventuell auch die Qualität meinen.

Was sagt der Duden?

Im Synonymwörterbuch des Duden gibt es für das Wort billig hauptsächlich zwei Definitionen. Zum Einen: erschwinglich, fast umsonst, günstig, herabgesetzt, nicht teuer, preiswert. Aber auch: dürftig, minderwertig, schlecht, wertlos, zweitklassig, miserabel, einfallslos usw.

Das Wort günstig im direkten Vergleich kennt ebenfalls hauptsächlich zwei Bedeutungen. Zum einen die exakte Beschreibung des Wortes billig: erschwinglich, herabgesetzt, nicht teuer, preiswert. Interessanterweise aber auch billig. Die zweite Bedeutung: aussichtsreich, förderlich, Erfolg versprechend, gut, nützlich, positiv. Eine Assoziation, der ich nur schwer folgen kann.

Mein Fazit?

Wer sich an die Lebensmittelskandale erinnert, denkt an vergammeltes Dönerfleisch oder an Frischeetiketten auf altem Fleisch. Für mich ist es in erster Linie billiges Fleisch und damit nicht zum Verzehr geeignet. Das Fleisch vom Bauern in der Umgebung aber, dass von glücklichen Tieren stammt ist keineswegs billig, unter Umständen aber günstig zu erhalten.

Möglicherweise deute ich günstig und billig einfach nur anders als andere heute. Das mag meiner alten Schule, dem gedruckten Duden oder einfach nur meinem Alter geschuldet sein. Doch es fühlt sich weiterhin falsch an, wenn jemand vom Preis spricht, dies aber als billig kennzeichnet.

Bitte liebe Journalisten, Marketingsexperten und Blogger: Wertet die Produkte bitte nicht so ab. Das Wort billig gehört verboten! Es sei denn, es soll ausdrücken, wofür es steht: Minderwertigkeit.

Kommentare

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  1. 1 Markus Schlegel schrieb am 29. Juli 2010 (13:07 Uhr)

    Das Wort billig gehört verboten!
    Richtig! Nennen wir es einfach „Produkte mit besonderen Bedürfnissen“.

    „Billig“ hat einfach nur die Denotation „billig“ und die Konnotation „minderwertig“, so wie beispielsweise „Kritik“ auch völlig neutral gemeint ist, aber von vielen als „negative Kritik“ verstanden wird. Nur weil man die ursprüngliche Bedeutung eines Wortes meint, ist man nicht gleich ein Marketingexperte*.

    • Hier ist wiederum die negative Konnotation Marketingexperte = Schwätzer gemeint.
  2. 2 Mariusz schrieb am 29. Juli 2010 (21:07 Uhr)

    Interessant wird es anhand historischer Ergebnisse:
    http://www.google.com/trends?q=billig%2C+günstig

    Tatsaechlich hat sich die Gewichtung hin zu “guenstig” verlagert.

    Allerdings kann ich bei “billig”, bessere Klickraten festellen. Vielleicht ein Grund, warum es nach wie vor benutzt wird.

  3. 3 Chriss schrieb am 30. Juli 2010 (10:07 Uhr)

    Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen!

  4. 4 Ryk schrieb am 31. Juli 2010 (17:07 Uhr)

    Ich verstehe nicht ganz, warum du die zweite Bedeutung von ‘günstig’ nicht nachvollziehen kannst. Günstig im Zusammenhang mit Gelegenheit, Situation oder Fall als Beispiele entsprechen dieser Definition eher als beispielsweise “preiswert”. Oder stehe ich jetzt auf dem Schlauch?

  5. 5 nodh schrieb am 18. August 2010 (12:08 Uhr)

    Ryk: Ich verstehe „günstig“ auch im Kontext von bspw. „eine günstige Entscheidung treffen“ oder „einen günstigen Zeitpunkt zum Kauf von Aktien nutzen“.

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